Coaching Geschichten

Geschichten sprechen die Fantasie an und können eine Quelle zu persönlichen Lösungen sein.

Hier finden Sie meine Lieblingsgeschichten. Mailen Sie mir gern Geschichten, die Ihnen eine Lösung aufgezeigt haben und Ihre Erfahrungen damit.

Vom Mut, eine Probe zu wagen

Ein König stellte für einen wichtigen Posten den Hofstaat auf die Probe. Kräftige und weise Männer umstanden ihn in Scharen. "Ihr weisen Männer", sprach der König, "ich habe ein Problem und ich möchte sehen, wer von euch in der Lage ist, dieses Problem zu bewältigen." Er führte die Anwesenden zu einem riesigen Türschloß, das so groß war, wie es keiner je gesehen hatte. Der König erklärte: " Hier seht ihr das größte und schwerste Schloß, das je in meinem Reiche war. Das Öffnen des Schlosses erfordert eine gewisse Kunst. Wer von Euch ist in der Lage, das Schloß zu öffnen?"

Ein Teil des Hofstaates schüttelte nur verneinend den Kopf. Einige, die zu den Weisen zählten, schauten sich das Schloß näher an, gaben aber zu, sie könnten es nicht schaffen. Als die Weisen dies gesagt hatten, schüttelte auch der Rest des Hofstaates verneinend den Kopf und gab zu, daß dieses Problem zu schwer sei, als daß sie es lösen könnten. Nur ein Wesir ging an das Schloß heran. Er untersuchte es mit seinen Blicken und mit seinen Fingern, versuchte es in der verschiedensten Weise zu bewegen und zog schließlich mit einem Ruck daran und siehe, das Schloß öffnete sich. Das Schloß war nämlich, wie der König wußte, nur angelehnt, und es bedurfte nichts weiter als des Mutes und der Bereitschaft, dies zu begreifen und beherzt anzufassen. Der König sprach: " Dur wirst die Stelle am Hof erhalten, denn du verläßt dich nicht nur auf das, was du siehst oder hörst, sondern setzt selber deine eigenen Kräfte ein und wagst eine Probe.

(Persische Geschichte aus: Nossrat Peseschkian: Positive Psychotherapie, Frankfurt 1977)

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Der kluge Maisbauer

Ein Farmer, dessen Mais auf der staatlichen Landwirtschaftsmesse immer den ersten Preis gewann, hatte die Angewohnheit, seine besten Samen mit allen Farmern aus der Nachbarschaft zu teilen.

Als man ihr fragte, warum er das täte sagte er: 2 Gründe: Es macht Freude, Freude zu machen, aber es liegt auch in meinem ureigensten Interesse: Der Wind trägt die Pollen von einem Feld zum anderen. Wenn also meine Nachbarn minderwertigen Mais züchten, vermindert die Kreuzbestäubung auch die Qualität meines Korns. Darum liegt mir daran, dass sie nur den allerbesten anpflanzen.

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Der Meister und der Bauer - eine Geschichte aus Asiens

Auf dem Weg traf der Meister den Bauern. Der Bauer fragte: "Nun lieber Meister, wie geht es heute? Der Meister: "Interessant, dass Du gerade heute fragst - heute ist mir ein wunderschöner Hengst zugelaufen. Ein grossartiges Tier, wir haben die ganze Gegend abgesucht und niemanden gefunden, dem er gehört. Er scheint bei uns zu bleiben." "Das ist toll" sagte der Bauer. "Ich weiss nicht", sagte der Meister, "vielleicht...".

Ein paar Wochen später traf der Meister den Bauern wieder auf dem Weg. Der Bauer fragte: "Nun lieber Meister, wie geht es"? Der Meister: "Interessant, dass Du fragst - gerade heute ist der wunderschöne Hengst, von dem ich Dir schon erzählt habe, wieder weggelaufen. Wochen hatten wir ihn und nun ist er wieder verschwunden. Er ist nirgends zu finden." "Wie schrecklich" sagte der Bauer, "so ein schönes Tier und nun ist es weg". "Ich weiss nicht", sagte der Meister, "vielleicht..."

Wenige Wochen später traf der Meister auf dem Weg wieder den Bauern. Der Bauer fragte: Nun lieber Meister, wie geht es heute? Der Meister: Interessant, dass Du fragst - gerade heute ist der Hengst wiedergekommen, von dem ich Dir schon erzählt habe. Und er hat eine sehr schöne Stute dabei gehabt. Wir haben alles abgesucht, lang und breit, aber sie gehört niemandem. Sie scheint bei uns zu bleiben." "Das ist fantastisch!" sagt der Bauer. "Ich weiss nicht, sagte der Meister, vielleicht..."

Eine Woche später traf der Meister den Bauern auf dem Weg. Der Bauer fragte: "Nun Meister, wie geht es?" Der Meister: "Interessant, dass Du fragst - gerade heute ist mein Sohn von dem Hengst gefallen, von dem ich Dir schon erzählt habe. Er hat sich ein Bein recht schlimm gebrochen." "Wie schrecklich", sagt der Bauer, "das Bein schlimm gebrochen, oh je!!!" "Ich weiss nicht", sagte der Meister, "vielleicht..."

Ein paar Tage später traf der Meister auf dem Weg den Bauern. Der Bauer fragte: Nun Meister, wie geht es? Der Meister: "Interessant, dass Du gerade heute fragst - heute ist ja ein Krieg verkündet worden. Alle jungen Männer werden eingezogen. Allein meiner darf zu Hause bleiben, er hat ja das kaputte Bein." "Grossartig, was für ein Glück, da wendet sich alles zum Guten!", sagte der Bauer". Das ist fantastisch!" "Ich weiss nicht," sagte der Meister, "vielleicht - aber sage mir, was bedeutet der Krieg für Dich" "Ich weiss nicht", sagte der Bauer und dachte über die Gefahren des Krieges für seinen Hof, aber auch über die steigenden Preise für seine Waren nach. "Na dann, guten Weg, Meister," sagte der Meister, verbeugte sich vor seinem Gegenüber und ging seinen Weg weiter...

Lieh-tzu, erzählt von Alan Watts.

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Der Zauberer

Der Mullah, ein Prediger, wollte für seine Frau Nüsse holen, denn sie hatte ihm versprochen, Fesenjan, ein Gericht, das mit Nüssen zubereitet wird, zu kochen. In der Vorfreude auf seine Lieblingsspeise griff der Mullah tief in den Nußkrug und faßte so viele Nüsse, wie er nur mit der Hand erreichen konnte.

Als er versuchte, den Arm aus dem Krug herauszuziehen, gelang es ihm nicht. So sehr er auch zog und zerrte, der Krug gab seine Hand nicht frei. Er jammerte, stöhnte und fluchte, wie ein Mullah es eigentlich nicht tun sollte, aber nichts half. Auch als seine Frau den Krug nahm und mit der Gewalt ihres Gewichtes daran zog, nützte dies nichts. Die Hand blieb fest in dem Hals des Kruges stecken.

Nach vielem vergeblichem Mühen riefen sie ihre Nachbarn zu Hilfe. Alle verfolgten voller Interesse das Schauspiel, das sich ihnen bot. Einer der Nachbarn schaute sich den Schaden an und fragte den Mullah, wie dies Mißgeschick geschehen konnte. Mit weinerlicher Stimme und und verzweifeltem Stöhnen berichtete der Mullah über sein Unglück. Der Nachbar sagte: " Ich helfe dir, wenn du genau das tust, was ich dir sage!" " Mit Handkuß mache ich das, was du mir sagst, wenn du mich nur von diesem Ungeheuer von Krug befreist." " Dann schiebe deinen Arm wieder in den Krug hinein."

Dem Mullah kam dies erstaunlich vor, denn warum sollte er mit dem Arm in den Krug hineinfahren, wo er ihn doch aus ihm heraushaben wollte.

Doch er tat, wie ihm geheißen. Der Nachbar fuhr fort: "Öffne jetzt deine Hand, und lasse die Nüsse fallen, die du festhälst." Dieses Ansinnen erregte den Unwillen des Mullahs, wollte er doch gerade die Nüsse für seine Lieblingsspeise herausholen, und jetzt sollte er sie einfach fallen lassen.

Widerwillig folgte er den Anweisungen seines Helfers. Der sagte: "Mach jetzt deine Hand ganz schmal und ziehe sie langsam aus dem Krug heraus." Und siehe, der Mullah tat, wie ihm geheißen. Ohne Schwierigkeiten zog er die Hand aus dem Krug.

Ganz zufrieden war er aber noch nicht. "Meine Hand ist jetzt frei, wo bleiben aber meine Nüsse?"

Da nahm der Nachbar den Krug, kippte ihn um und ließ so viele Nüsse herausrollen, wie der Mullah brauchte.

Mit größer werdenden Augen und vor Erstaunen geöffnetem Mund sah der Mullah zu und sagte: "Bist Du ein Zauberer?"

(Persische Geschichte nach Nossrat Peseschkian: 33 und eine Form der Partnerschaft, Fischer Verlag, 1996)

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Die Wahrheitssuche

Ich habe von einem amerikanischen Sucher gehört. Er war ein superreicher Mann, und da er alles hatte, hing ihm alles zum Hals heraus. Je mehr man hat, desto mehr wird man gewahr, daß es einen nicht befriedigen wird. Der Arme befindet sich da in besserer psychischer Verfassung, denn er hat Hoffnung, daß er morgen ein besseres Haus, einen besseren Job, mehr Gehalt, ein besseres Auto haben wird. Es gibt Millionen von Hoffnungen, wohin er auch schaut - die sich nie erfüllen werden. Der Superreiche findet sich in einer sehr seltsamen Lage: Alle Hoffnungen haben sich erfüllt, und seine Hände sind leer, sein Dasein ist leer, nichts ist gefunden worden. Das Leben hat ihn betrogen. Diese Hoffnungen haben sich alle als Fata Morgana erwiesen.

Der Mann brach also auf, um nach einem weisen Mann zu suchen, der ihm die Wahrheit zeigen kann, wie er die wirkliche, die höchste, die absolute Wahrheit finden könne. Und er reiste um die Welt und suchte bis zur Erschöpfung. Er kam in ein fernes Land und jemand erzählte ihm: "In den Ebenen wirst Du einen solchen Weisen nicht finden.Du wirst in den Himalaja gehen müssen. Wir haben gehört, daß es dort einen alten Mann gibt, niemand weiß, wie alt - steinalt. Wenn Du ihn finden kannst, wird sich Deine Suche vielleicht erfüllen.

Der Mann war unbeugsam, hartnäckig. Die Reise war hart, beschwerlich, aber er schaffte es. Zerrissen, ermüdet gelangte er irgendwie hin, und er sah den Alten unter einem Baum sitzen, von allen Seiten umgeben vom ewigen Schnee. Er war so müde, daß er nicht einmal gehen konnte. Er mußte auf allen Vieren auf den Alten zukriechen, warf sich ihm zu Füßen und sagte: "Ich habe Dich doch gefunden. Man hat mir gesagt, es sei sehr schwer herzufinden - es war schwerer, als ich dachte. Aber Gott ist gnädig. Sag mir also, wie ich Friede, Freude, Weisheit finden kann!"

Der alte Mann sah ihn an und sagte: "Zuerst das Wichtigste: Hast Du amerikanische Zigaretten dabei?"

Er konnte es nicht glauben - war das die richtige Art von Frage? Aber mit dem Alten zu streiten, war nicht gut, denn der könnte wütend werden oder sonstwas. Er sagte ja. Also holte er seine letzten Zigaretten und das Feuerzeug heraus.

Der alte Mann nahm sie an sich, fing an zu rauchen, und der erschöpfte Mann schaute zu - was ging vor? Und er sagte: "Und ich?"

Der alte Mann sagte: "Warte, laß mich die Zigarette zu Ende rauchen, denn ich habe darauf gewartet, daß mir jemand eine Zigarette mitbringt. Seit Jahren schon."

Der Mann sagte: "Ich sterbe vor Müdigkeit, und du rauchst meine Zigaretten vor meinen Augen. Und ich habe Dich für einen Erleuchteten gehalten!"

Er sagte: "Alles ist in Ordnung. Ich bin erleuchtet. Aber erleuchtet heißt nicht, daß man keine Zigarette rauchen darf. Wer hat Dir das erzählt?"

Er sagte: "Niemand, aber ich hatte mir nur gedacht, daß Rauchen etwas für gewöhnliche Leute ist."

Er sagte: "Du irrst. Du kannst jetzt mit eigenen Augen sehen - Du bist Augenzeuge. Da hast gesehen, wie ein Erleuchteter eine Zigarette raucht."

Er sagte: "Ich möchte nicht weiter darüber reden. Sag Du mir nur - denn das Leben ist kurz, und ich bin so müde - sag mir nur, was ich jetzt machen soll."

Er sagte: "Jetzt kehrst Du wieder heim, ruhst Dich gut aus und kommst dann wieder her. Und vergiß das nächste Mal nicht, mir eine Havanna-Zigarre mitzubringen. Denn ohne eine Havanna verrate ich niemandem je die Wahrheit."

Der Mann war äußerst schockiert. "Ich habe nie davon gehört... Ich habe alle Schriften gelesen, großen Predigten gelauscht, ich habe noch nie gehört, daß eine Havanna nötig ist, bevor man etwas über die Wahrheit sagen kann."

Er sagte: " Jeder Erleuchtete ist einzig in seiner Art. Das hier ist meine Bedingung. Es ist Dir überlassen... Wenn dir nicht danach ist, wiederzukommen, dann bleib weg. Denn ich habe viele ausgeschickt, die kommen werden. Wie glaubst Du denn, daß ich hier überlebe? Du bist nicht der einzige Narr, der auf der Suche nach sich selber hergekommen ist.

Viele andere sind gekommen, und viele andere werden kommen, und ich stelle eine simple Bedingung: Bringt eine Havanna-Zigarre mit."

Der Mann sagte:" Okay, ich will nach Hause zurückkehren und wenn ich noch lebe, werde ich Dir die Havanna bringen. Aber versprich mir, daß du keine weiteren Bedingungen stellst."

Er sagte: "Du sollst Dir eines merken: Erleuchtete versprechen nie etwas. Denn wer weiß, was morgen ist? Ich könnte es mir anders überlegen. Ich könnte Deine Havanna dankend ablehnen. Versuch Du Dein Bestes, ich werde mein Bestes versuchen, und dann wollen wir sehen, was passiert. Aber für's erste mach' daß Du fortkommst. Ich habe genug an den Zigaretten, die Du mitgebracht hast. Laß mich sie genießen."

Der Mann war völlig frustriert. Aber er kehrte heim, und nach und nach ging ihm durch den Kopf: "Vielleicht ist das ja eine versteckte Botschaft. Hat er nicht gesagt: "Geh heim und ruh' Dich gut aus." Vielleicht hat er das allegorisch gemeint. Wo ist denn mein Zuhause? In Büchern hatte er davon gelesen, daß das wahre Zuhause innen ist. Und wie kann man dieses Zuhause finden? Versetze Dich in einen sehr entspannten, ausgeruhten Seelenzustand, und Du wirst das Zuhause finden.

Er sagte: "Mein Gott, er hat es mir verraten, und ich habe ihm nicht einmal gedankt! Ich will ihm die Havanna bringen, einfach aus Dankbarkeit!"

Der Mann hatte die Botschaft begriffen. Er ging heim, entspannte sich, ruhte sich aus, und versuchte zum ersten Mal, sein Innerstes zu betreten, das Zuhause zu finden. Denn die Wände Deines Hauses sind nicht das Zuhause.

Dein Körper ist die Wand; Dein Verstand ist die Wand. Hinter Deinem Körper und Verstand ist Dein wirkliches Zuhause... Deine eigentliche Lebensquelle.

Wenn jemand sie findet, schüttelt er sich vor Lachen: "Ich habe unnötig Kopfstand gemacht, meinen Körper verknotet mit Yogaübungen, gefastet, heilige Pilgerfahrten gemacht, mich in den Bergen, in den Wüsten gefoltert - und die ganze Zeit über trug ich die Wahrheit in mir selber!"

Wann immer einer sie findet - könnt Ihr Euch vorstellen, daß er etwa nicht lacht - über sich selbst lacht?

(aus Osho: Leben, Lieben, Lachen. Osho-Verlag, Köln 1995)

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Himmel und Hölle

Ein Rechtgläubiger kam zum Propheten Elias. Ihn bewegte die Frage nach Hölle und Himmel, wollte er doch seinen Lebensweg danach gestalten. "Wo ist die Hölle - wo ist der Himmel ?" Mit diesen Worten näherte er sich dem Propheten, doch Elias antwortete nicht. Er nahm den Fragesteller bei der Hand und führte ihn durch dunkle Gassen in einen Palast. Durch ein Eisenportal betraten sie einen grossen Saal. Dort drängten sich viele Menschen, arme und reiche, in Lumpen gehüllte, mit Edelsteinen geschmückte. In der Mitte des Saales stand auf offenem Feuer ein grosser Topf voll brodelnder Suppe, die im Orient Asch heisst.

Der Eintopf verbreitete angenehmen Duft im Raum. Um den Topf herum drängten sich hohlwangige und tiefäugige Menschen, von denen jeder versuchte, sich seinen Teil der Suppe zu sichern. Der Begleiter des Propheten Elias staunte, denn die Löffel, von denen jeder dieser Menschen einen trug, waren so gross wie sie selbst. Nur ganz hinten hatte der Stiel des Löffels einen hölzernen Griff. Der übrige Löffel, dessen Inhalt einen Menschen hätte sättigen können, war aus Eisen und durch die Suppe glühend heiss. Gierig stocherten die Hungrigen im Eintopf herum.

Jeder wollte seinen Teil, doch keiner bekam ihn. Mit Mühe hoben sie ihren schweren Löffel aus der Suppe, da dieser aber zu lang war, bekam ihn auch der Stärkste nicht in den Mund. Gar zu Vorwitzige verbrannten sich Arme und Gesicht oder schütteten in ihrem gierigen Eifer die Suppe ihren Nachbarn über die Schulter. Schimpfend gingen sie aufeinander los und schlugen sich mit denselben Löffeln, mit deren Hilfe sie ihren Hunger hätten stillen können. Der Prophet Elias fasste seinen Begleiter am Arm und sagte: "Das ist die Hölle..."

Sie verliessen den Saal und hörten das höllische Geschrei bald nicht mehr. Nach langer Wanderung durch finstere Gänge traten sie in einen weiteren Saal ein. Auch hier sassen viele Menschen. In der Mitte des Raumes brodelte wieder ein Kessel mit Suppe. Jeder der Anwesenden hatte einen jener riesigen Löffel in der Hand, die Elias und sein Begleiter schon in der Hölle gesehen hatten. Aber die Menschen waren hier wohlgenährt, und man hörte in dem Saal nur ein leises zufriedenes Summen und das Geräusch der eintauchenden Löffel. Jeweils zwei Menschen hatten sich zusammengetan. Einer tauchte den Löffel ein und fütterte den anderen. Wurde einem der Löffel zu schwer, halfen zwei andere mit ihrem Esswerkzeug, so dass jeder in Ruhe essen konnte. War der eine gesättigt, kam der nächste an die Reihe. Der Prophet Elias sagte zu seinem Begleiter: "Das ist der Himmel..."

(1000 Jahre alte Geschichte aus dem Orient, aus: Nossrat Peseschkian: "Positive Psychotherapie", Frankfurt, 1977)

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Eine Geschichte der Navajo-Indianer: Der Kampf der Wölfe

Der Großvater zu seinem Enkel: „Manchmal habe ich das Gefühl, dass in mir ein Kampf tobt – ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine Wolf ist böse. Er ist der Wolf des Zorns und Neids, der Sorge, des Vorwurfs, der Gier und der Arroganz,des Selbstmitleids, der Schuld, der Ablehnung, der Minderwertigkeit oder Überlegenheit; der Angst vor der Heilwerdung von Körper und Seele, vor dem Erfolg und davor, dass das, was die anderen gesagt haben, wahr sein könnte; der Angst, in den Mokassins eines anderen zu laufen, um nicht mit seinen Augen sehen und seinem Herzen fühlen zu müssen, wie sich die Wirklichkeit aus seiner Sicht darstellt, so dass ich an hohlen Ausreden festhalten kann, die ich im Inneren längst als falsch erkannt habe. Der andere Wolf ist gut. Er ist der Wolf der Freude, des Friedens, der Liebe und Hoffnung, der Gelassenheit, Bescheidenheit und Güte, des Mitgefühls für jene, die mir geholfen haben, wenngleich ihre Bemühungen nicht immer perfekt waren, der Bereitschaft, mir selbst und anderen zu vergeben und zu erkennen, dass ich mein Schicksal selbst in der Hand habe.“

Nachdem der Enkel eine Weile über die Worte seines Großvaters nachgedacht hatte, fragte er: „Sag mir, Großvater, welcher der beiden Wölfe wird nun gewinnen?“ Der weise, alte Mann antwortete: „Der Wolf, den ich zu füttern beschließe.“

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